Der Konfliktforscher Glasl stellt "die Eskalation in seinem neunstufigen Modell nicht als einen
Anstieg zu immer höheren Eskalationsstufen dar, sondern als einen Abstieg zu immer
tieferen, primitiveren und unmenschlicheren Formen der Auseinandersetzung....(die) mit
einer zwingenden Kraft in Regionen führt, die große, 'unmenschliche Energien' aufrufen, die
sich jedoch auf die Dauer der menschlichen Steuerung und Beherrschung entziehen. In der
ersten Ebene können beide Konfliktparteien noch gewinnen (Win-Win). In der zweiten
Ebene verliert eine Partei, während die andere gewinnt (Win-Lose) und in der dritten Ebene
verlieren beide Parteien (Lose-Lose).
Die Hauptmerkmale der 9 Eskalationsstufen sind folgende:

Das Problem der Konflikteskalation liegt darin, dass mit jeder Eskalationsstufe das Denken,
Fühlen und die Handlungsmöglichkeiten der Kontrahenten weiter eingeschränkt werden.
Der Übergang von Stufe zu Stufe macht eine Konfliktlösung durch die Konfliktparteien
zunächst immer schwieriger und dann unmöglich. Auf den unteren Eskalationsstufen ist
noch eine Lösung durch ein Konfliktgespräch möglich – vorausgesetzt beide Seiten sind
damit einverstanden. Entwickelt sich der Konflikt aber weiter, verlieren die Konfliktparteien
die Fähigkeit, konstruktiv miteinander zu sprechen. Auf diesen höheren Stufen kann der
Konflikt nur noch mit externer Hilfe gelöst werden, es bedarf dann der Unterstützung von
Moderatoren oder Mediatoren. Ist der Konflikt sehr stark eskaliert, sind „Machteingriffe“
seitens der Verantwortlichen in der Organisation oder sogar juristische Eingriffe notwendig.
Wer Konflikte lösen will, sollte sich zunächst darüber bewusst werden, in welcher Phase sich
die aktuelle Auseinandersetzung befindet und welche Interventionsmethode am besten
geeignet ist. Vor allem muss man erkennen, wann ein Konflikt schon so weit
vorangeschritten ist, dass er ohne eine Intervention durch Dritte nicht mehr lösbar ist. Es
geht also darum, für jede Eskalationsstufen Interventionsmethoden zu finden, die Emotionen und Aggressionen begrenzen oder ganz ausschließen und stattdessen auf
Kooperation und Verhandlungslösungen abzielen.